16.02.2010
Grüne Wärmehaube

Längst pfeifen es die Spatzen von den Dächern und bauphysikalische Untersuchungen untermauern die Argumentation: Schon dünnschichtige Extensivbegrünungen können eine ansehnliche und dauerhaft wirksame Dämmwirkung vorweisen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Anstrengungen zum Klimaschutz und größtmöglicher CO2-Reduktion ein interessantes Thema für Unternehmen und Private.
Beachtliche Energieeinsparung.
Im Winter kommt es durch die Vegetation und das Dachsubstrat zu einer Verminderung des Wärmedurchganges und somit zu einer erhöhten Wärmedämmung. Im Sommer sind Dachbegrünungen für darunter liegende Räume insgesamt eine wirksame Maßnahme zum Schutz vor sommerlicher Hitze. „Konkrete Berechnungen der Gesamteinsparung liegen bislang leider nicht vor”, bedauert Christian Oberbichler vom Verband für Bauwerksbegrünung (V.f.B.). „Vorsichtig verlässliche Schätzungen unter der Annahme, dass der 12 Zentimeter hohe Aufbau der extensiven Dachbegrünung ca. 2 Zentimeter Dämmstoff entspricht, ergeben eine Energieeinsparung von 0,06 Euro/m²/Jahr und – nach 40 Jahren – einen kumulierten Betrag von 2.556,46 Euro für einen Quadratmeter Gründach!”, unterstreicht Oberbichler das Einsparungspotential. Bei einer intensiven Begrünung mit entsprechend höherem Aufbau multipliziert sich diese Summe. Bis zu 10 Prozent. Zwar darf der Begrünungsaufbau eines Gründachs nach der Wärmeschutzverordnung nicht als zusätzliche Wärmedämmung gerechnet werden, da sich der Aufbau als abnehmbares Element oberhalb der Dachabdichtung befindet. Dennoch ist klar: Jede Dachbegrünung hat eine nachweislich wärmedämmende Wirkung und reduziert damit Energieaufwand und Kosten.
Fast alle Schichten des Begrünungsaufbaus leisten dazu ihren Sparbeitrag, von den Drainageschichten über die Dachbegrünungssubstrate – überwiegend aus leichten Zusatzstoffen wie Blähton, Blähschiefer, Lava oder Recycling-Ton hergestellt – bis zur Vegetationsschicht mit dazugehörigem Pflanzenbewuchs. Je nach Substratart und Bewuchs bringt allein die Vegetationsschicht eines Gründaches im Vergleich zu einer 16/32 Kiesschüttung (Korngröße zwischen 16 und 32 Millimeter) eine Verbesserung der Wärmedämmung von etwa 3 bis 10 Prozent mit sich.
Winterlicher Wärmeschutz, sommerliche Kühleffekte. Konkret zeigt sich die dämmende Wirkung wie folgt: Während Kies-dächer und schwarze Bitumenpappe sich im Sommer auf etwa 50°C bis über 80°C aufheizen, betragen die maximalen Temperaturen bei bepflanzten Dächern etwa 20°C bis 25°C. In klaren Winternächten sinkt die Temperatur unbepflanzter Dächer auf bis zu -20°C. Die jährliche Temperaturschwankung beträgt somit ungefähr 100 Grad. Begrünte Dächer kühlen sich im Winter nur auf wenig unter 0°C ab, so dass hier die Jahresschwankung nur etwa 30 Grad beträgt.
Offene Vegetationsflächen, also Gründächer, sind in der Lage, Oberflächenwasser zu speichern. Bei Kiesdächern werden etwa 80 Prozent bis 100 Prozent des Niederschlags in die Kanalisation geleitet, bei Dachgärten nur ca. 30 Prozent. Der Rest wird durch Verdunstung wieder an die Stadtluft abgegeben und trägt somit einerseits zur Reduzierung des Feuchtigkeitsmangels der oberflächenversiegelten Stadt bei. Und andererseits sorgt die entstehende Verdunstungskälte für passive Gebäudekühlung und angenehme Temperaturen unter der Dachhaut des Gebäudes.

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