16.02.2010
Dachkongress 2010: Highlight der Dachbranche
Schon der 1.Österreichische Dachkongress im März des Vorjahres hatte die – durchwegs positiven – Erwartungen der Veranstalter übertroffen: rund 270 Teilnehmer und 49 Aussteller sorgten für eine mehr als gelungene Premiere.
Aber der zweite Kongress toppte alles! Um 20 Uhr schalteten die Damen im Wiener Büro von RedEd, gemeinsam mit der Fachzeitschrift „dach wand” der Kongressveranstalter, am 20. Jänner erschöpft die Telefone auf Anrufbeantworter um. Es war der Vorabend des Kongresses. Und die Zahl der Anmeldungen war in den letzten drei Tagen noch um unglaubliche 100 Teilnehmer gestiegen.
„dach wand”-Chefredakteurin Birgit Tegtbauer und Moderator Heinz Schmid durften am Morgen des 21. Jänner knapp über 400(!) Teilnehmer in der brandboxx Salzburg zum 2. Österreichischen Dachkongress begrüßen. Auch die höchsten Vertreter der drei beteiligten Branchen, Dachdecker-Bundesinnungsmeister KommR Ing. Walter Buchegger, Bundes-innungsmeister KommR Ing. Herbert Wocilka von den Spenglern und der Berufsgruppensprecher der österreichischen Bauwerksabdichter, LIM Gerhard Freisinger, freuten sich über die rege Beteiligung an dieser neuen Fachveranstaltung. Und ein besonderer Ehrengast ließ es sich nicht nehmen, den österreichischen Kollegen persönlich nachbarschaftliche Grüße zu überbringen: Karl-Heinz Schneider, Präsident des Zentralverbandes des deutschen Dachdeckerhandwerks, wohnte dem ersten Kongresstag bei und gab der Veranstaltung eine (verdiente) internationale Note.
Volles Programm. Dann ging es in medias res. Schließlich waren die 400 Dachhandwerker ja gekommen, um Neues zu erfahren! DI Michael Steinbrecher, Inhaber eines Ziviltechnikerbüros für Bauforschung, Tragwerksplanung und Hochbau, erläuterte im ersten Vortrag des Tages die neue Richtlinie für Bauschutzabdichtungen im Dachgeschossbau, ein Regelwerk für die Planung und Ausführung von temporären Abdichtungsarbeiten bei Dachgeschoßausbauten und Aufstockungen. „Bauschutzabdichtungen sind in keiner ÖNORM ausführlich geregelt, daher gibt es unterschiedliche Standards in Planung und Ausführung von Bauschutzabdichtungen, die durch die neue Richtlinie vereinheitlicht werden sollen”, erklärte der Experte und ging in seinem Vortrag auf Details ein.
„Neue Lösungsansätze mit Flüssigkunststoff im Dachbereich” brachte danach Dr.-Ing. Dieter Roeske, Mitglied im Normenausschuss DIN-18531 – Dachabdichtungen. Dabei wurden anforderungsgerechte Systemlösungen für Flachdächer, Balkone und Laubengänge vorgestellt und erörtert welche Vorteile Flüssigkunststoff bei komplizierten Dachgeometrien haben kann. Dieter Roeske ging außerdem darauf ein wie Flüssigkunststoffe im Kontext zu anderen Abdichtungswerkstoffen stehen und unterlegte die Theorie mit zahlreichen praktischen Anwendungsbeispiele und Einsatzmöglichkeiten.
Er wird in Österreich von vielen Kollegen als Experte für Dachdecker- und Spenglerarbeiten sowie Abdichtungen im Hochbau geschätzt. Und er stellte den Teilnehmern des Dachkongresses zum zweiten Mal sein umfangreiches Wissen zur Verfügung: Sachverständiger Ing. Werner Linhart brachte spannende und aktuelle Fälle aus der SV-Praxis. Unter dem Titel „Aktuelle Bauschäden am Steildach und was bringen die kommenden Normen?” ausgehend von einer Fehleranalyse aus der Erfahrung von über 200 Gutachten erläuterte er, in welchen Bereichen und aus welchen Gründen es oft zu Bauschäden kommt. Prägnant und praxisorientiert informierte Werner Linhart abschließend über die aktuellen Normen und Trends
Wenn es jemand schafft, das Publikum nach einem ausgiebigen Mittagessen wach zu halten, dann wohl dieses Team: „dach wand” Fachautor und beliebter Kommentator, im Hauptberuf Sachverständiger, Gerhard Freisinger, und Dr. Alfred Popper, Richter i.R. (ein Unikat!), beantworteten in Doppelconference „Steile Fragen zum flachen Dach mit Betrachtung der aktuellen Normen und der Judikatur zu Mangel und Gewährleistung”. Gerhard Freisinger brachte dabei – bekannt pointiert – aktuelle Bauschäden aus der Praxis im Flachdachbereich und wies in diesem Zusammenhang gleich auf die aktuellen Normen hin. Alfred Popper präsentierte dazu passend juristische Feinheiten und Kuriositäten zu den Themen „Was muss jeder wissen?”, „Wie entgehe ich der Haftung?”, „Was kann ich dem Bauherrn einwenden?” und „Wie verteidige ich mich am Besten?” in trotz Heiserkeit informativ heiterer Form.
Den letzten Dach-Fach-Vortrag des ersten Kongresstages bestritt anschließend Wolfgang Past vom Messtechnischen und Sachverständigenbüro W.Past & Partner. Er ging auf Anforderungen, Normen, Verarbeitungshinweise, Ausführungsfehler und Versäumnisse im Bereich von Flachdachrandeinfassungen ein. Denn: „Meine tägliche gutachterliche Praxis zeigt, dass offensichtlich nach wie vor Informationsbedarf zu diesem Themenkreis besteht, obwohl die Flachdachrandeinfassung prinzipiell nichts Neues darstellt, jedoch immer wieder zu teilweise umfangreichen Schäden führt”. Die richtigen Flachdachrandanschlüsse sind wesentlich für den langfristigen Gebäudeschutz.
Abschlusshighlight schließlich war das „Achte Weltwunder – das Gedächtnis”. Gedächtnisexperte Markus Hofmann wurde bekannt durch eine Wette („Schottenwette”) in der Fernsehsendung „Wetten dass” und zählt mittlerweile zu den Top-Speakern im deutschsprachigen Raum. Und er brachte die Köpfe der Teilnehmer zum Rauchen! Denn er weiß: „Das menschliche Gehirn hat ein unglaubliches Potential. Mit den richtigen Merktechniken kann jeder eine (persönlich wahrscheinlich überraschende Merkfähigkeit) gewinnen”. Auf sehr humorvolle, kurzweilige und motivierende Art und Weise erfuhren die Dachhandwerker wie sie Namen und Gesichter sofort behalten und Zahlen, Daten, Fakten sicher abspeichern. Und: es hat geklappt!
Den ganzen Tag über, vor allem natürlich in den Pausen, hatten die Kongressteilnehmer die Gelegenheit, sich auch über Produktneuheiten zu informieren. In den Messehallen im Erdgeschoss hatten sich 57 namhafte Aussteller viel Mühe gegeben, Bewährtes und Innovatives auf ihren Ständen zu präsentieren.
Dort war auch der Treffpunkt für den gemütlichen Tagesausklang mit Kollegen. Die Firma Bauder und die Fachzeitschrift „dach wand” luden zum Get-Together mit kulinarischen Schmankerln, zauberhafter Unterhaltung mit Tricky Niki und einem Gewinnspiel. Für Manche wurde es wohl spät(er) ...
... Was sich beim ersten Referat des zweiten Kongresstages ein klein wenig bemerkbar machte. Aber Ing. Günther Braitner vom gleichnamigen Technischen Büro ist ein geübter Redner und ließ sich von den nach und nach eintrudelnden Zuhörern nicht beirren. Sein Thema war auch absolut wissenswert: „Die Windlast neu” lautete es. „Sturmwarnungen sind in Österreich keine Seltenheit mehr. Auch die negativen Auswirkungen des Windes werden in den letzten Jahren immer häufiger. Leider sind von der Windproblematik vermehrt auch unsere Dacheindeckungen betroffen. Was tun? Wenn wir den Wind schon nicht ändern können, so doch unsere Bauweisen. Damit wir aber den Spagat zwischen ,zu teuer´ und ,unbedingt notwendig´ schaffen, brauchen wir geeignete Berechnungsgrundlagen – wie etwa die neue ,Windlastnorm´”, leitete der Experte ein. Eine Windlastnormung gibt es in Österreich ja schon lange – aber mittlerweile ist diese Norm auch in Österreich „europäisch” geworden. Die neue EU-Norm ist seit 2009 verbindlich anzuwenden.
Ein Thema, das wohl alle Unternehmer betrifft, griff danach Univ.-Lektor Mag. Dr. Imré Remenyi auf – die tägliche Herausforderung Mitarbeitermotivation. Wer kennt die Situation nicht aus seinem Berufsalltag: Frustrierte Mitarbeiter, die schlechte Stimmung auf der Baustelle verbreiten, und das am liebsten dann, wenn der Zeitdruck wieder einmal sehr hoch ist. Imré Remenyi erläuterte, wie man seine Mitarbeiter motiviert und schwierige Situationen mit (schwierigen) Mitarbeitern meistert und so den Spagat zwischen Selbständigkeit und Kontrolle schaffen kann.
Die Sonne ist ein gigantisches und unerschöpfliches Kraftwerk. In nur ein bis drei Jahren liefert das Sonnenkraftwerk jene Energie, die für seine Herstellung, Montage und Entsorgung aufgewendet werden muss. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 bereits acht Prozent des heimischen Strombedarfs via Sonnenstrom gedeckt werden können. Der Vortrag von Ing. Thomas Becker (ATB-Becker) informierte, was man als Dachhandwerker über diese zukunftweisende Technologie wissen sollte. Er erläuterte die Funktionsweise der Photovoltaik, erklärte die unterschiedlichen Systemvarianten und die zur Verwendung kommenden Systemkomponenten. Außerdem stellte er Planungshilfen vor und skizzierte die derzeitige Fördersituation von Photovoltaik-Anlagen in Österreich. Sonnige Aussichten!
„Aktuelles zur Unternehmensfinanzierung” – ein wichtiges Thema in Zeiten wie diesen, das besonders seit Beginn der Finanzkrise zahlreiche Fragen aufwirft, erörterte im letzten Referat Gerald Schwab vom Raiffeisenverband Salzburg Gen.mb.H. Dabei ging er besonders darauf ein, worauf bei Investitions- und Betriebsmittelfinanzierungen zu achten ist. Und er gab einen Einblick in das Risikomanagement einer Bank und erläuterte, welche Parameter zur Überprüfung und zur Beurteilung der Kreditfähigkeit eines Unternehmens herangezogen werden.
Ein tolles Bühnenbild gab die „Tafel” am Ende des Kongresses: Sie war gedeckt für die Gäste der Podiumsdiskussion. Dabei waren (in alphabetischer Reihenfolge): LIM Gerhard Freisinger (Sachverständiger), Ing. Wolfgang Hubner (Sachverständiger), Ing. Dietmar Kreuzer (Villas Austria GmbH), Ing. Werner Linhart (Sachverständiger), Mag. Martin Olbrich (Tondach Gleinstätten AG), Robert Pramendorfer, MSc (Eternit Werke Ludwig Hatschek AG), Dr. Hermann Pengg-Bührlen, MSc (Prefa Aluminium Produkte GmbH), Bmstr. DI Helmut Schöberl (Schöberl & Pöll OEG), DI Dr. Michael Utvary (Bramac Dachsysteme International GmbH). Sie diskutierten – und das teilweise recht „heiß” über das Thema „Gegenwart und Zukunft für energieeffizientes Bauen am Dach”. Und sie ließen den 2. Österreichischen Dachkongress würdig ausklingen – mit viel Input über Innovationen für steile und flache Dächer.
Bitte merken Sie sich schon jetzt vor: Der 3. Österreichische Dachkongress findet von 10. – 11. März 2011 in der brandboxx Salzburg statt. Wir werden Ihnen wieder ein tolles Programm bieten und freuen uns auf Sie!




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