16.02.2010
Sonnenwende

Das gemeinsame Ziel der Mitglieder von Austria Solar ist es, mit Solarwärme die Klimabilanz zu verbessern und die Energieversorgung beim Heizen langfristig und kostengünstig zu sichern. Durch Maßnahmen wie Öffentlichkeitsarbeit, das Austria Solar Gütesiegel und Lobbying liefert der Verband seit zehn Jahren die Basis für die positive Entwicklung der Branche. Ein sonniges Jubiläum! Und Anlass für uns, das letzte Jahrzehnt mit Austria Solar Obmann Robert Kanduth und Geschäftsführer Roger Hackstock Revue passieren zu lassen.
Wie und vor welchem Hintergrund entstand Austria Solar im Jahr 1999?
Robert Kanduth: Ursprünglich gab es einen Verein innerhalb der Wirtschaftskammer, die „ARGE Umweltenergie”, mit Strukturen, die seit den 1970er Jahren eingefroren waren. Mit dem Bundesverband Solar, dem Bundesverband Wärmepumpe und dem Bundesverband Photovoltaik waren drei regenerative Energiekonzepte unter einem Dach vereint. Wir haben dann ein innovatives Konzept für den Solarbereich entwickelt, das das Land Kärnten mit vier Millionen Schilling und das Umweltministerium mit zwei Millionen unterstützt hat. Austria Solar startete damals mit neun ordentlichen Mitgliedern. Nachdem der Verein bald selbstständig leben können musste, wurden Mitgliedsbeiträge eingeführt. Heute haben wir ein Budget von 400.000 Euro – hauptsächlich über unsere Mitgliedsbeiträge – und 50 ordentliche und 180 außerordentliche Mitglieder. Das heißt, der Verband vertritt insgesamt 230 Firmen. Damit sind über 95 Prozent der heimischen Solarfirmen, aus Produktion und Handel, im unter dem Dach von Austria Solar vereint.
Roger Hackstock: Wir alle haben ein gemeinsames Ziel – Lobbying betreiben für die thermische Solarenergie. Und da ziehen alle an einem Strang, auch jene die am Markt Konkurrenten sind. Aber innerhalb des Verbandes herrscht größte Einigkeit. Das ist auch die spezielle Kultur unserer Gemeinschaft.
Was waren die erwähnenswertesten Stationen in den letzten zehn Jahren?
Roger Hackstock: Ein Meilenstein war sicher der erste „Tag der Sonne” im Jahr 2002. Inzwischen gibt es ihn europaweit in 16 Ländern mit insgesamt 7.000 Veranstaltungen im Jahr 2009 – über 430 davon allein in Österreich mit rund 30.000 Besuchern.
Im Jahr 2003 starteten wir die Solarpartnerschaft und öffneten den Verband gegenüber den Installateuren. Auch das Austria Solar Gütesiegel wurde 2003 eingeführt. Heute führen es 21 Betriebe. Rund drei Viertel aller Solaranlagen werden von den Gütesiegel-Unternehmen verkauft.
Besonders in den letzten Jahren ist am Sektor Solartechnologie Einiges passiert.
Roger Hackstock: Allerdings, im Jahr 2007 wurde mit ASTTP eine Technologieplattform gegründet, die dazu dient, eine Forschungsroadmap zu schreiben. Dazu gibt es einen Fahrplan bis 2030, an dem alle Unternehmen mitgearbeitet haben. Das ist ein wichtiger Impuls in Richtung Solarforschung.
Und 2008 wurde die Roadmap 2020 erstellt. Damit stellt Österreich in einem umfassenden Konzept die Weichen für eine solare Energiezukunft. Wenn die Roadmap umgesetzt wird, bedeutet das für unser Land etwa 60.000 neue Arbeitsplätze!
Robert Kanduth: Diese Roadmap zeigt beispielsweise auch, dass es rein über die thermische Slarenergie möglich ist, zumindest einen Teil der erneuerbaren Energie der Zukunft mit der thermischen Nutzung der Sonnenenergie abzudecken. Wenn es uns gelingt, die Roadmap auch in die Tat umzusetzen, dann können wir statt bisher 0,3 Prozent der erneuerbaren Energien in Zukunft rund 3 Prozent abdecken – bis zum Jahr 2020. Das bedeutet eine Verzehnfachung des österreichischen Marktes. Und wenn es in Österreich geht, dann gelingt uns das auch für ganz Europa. Österreichische Firmen haben jetzt schon über 35 Prozent Marktanteil in Europa. Der Markt in Europa könnte sich damit von zweieinhalb bis drei Millionen Quadratmeter verkaufter Solarkollektoren auf rund 30 Millionen Quadratmeter vergrößern. Österreich würde am meisten davon profitieren. Wenn wir also die Roadmap umsetzen, könnten wir bis zum Jahr 2020 über 100.000 Arbeitsplätze in Österreich schaffen. Im Jahr 2040 werden wir in Europa hoffentlich bis zu 40 Prozent erneuerbare Energien produzieren können. Derzeit macht die Biomasse den Löwenanteil aus. Diese kann aber nicht mehr in dem Tempo wie Energie benötigt wird mitwachsen. Das heißt, es bleiben nur Sonne, Wind und andere Alternativen. Und ich bescheinige der Sonne bzw. der Sonnenenergienutzung bis dahin einen noch wesentlich höheren Marktanteil. Deshalb bin ich auch so dahinter, dass die Roadmap umgesetzt wird – und technisch ist das auf jeden Fall machbar. Damit wäre Österreich weltweit ein Vorzeigeland.
Ist die Solarwärmebranche quasi das Vorzeigebeispiel für die Entstehung oder Entwicklung eines neuen Wirtschaftszweiges?
Roger Hackstock: Auf jeden Fall. In den vergangenen zwanzig Jahren, bzw. verstärkt in den letzten zehn Jahren, ist ein sehr erfolgreicher, neuer Wirtschaftszweig entstanden. Mit rund 600 Millionen Euro Umsatz und rund 7.500 Beschäftigten – das kann sich schon sehen lassen. Die Solarwärme wird in absehbarer Zeit sicherlich einer der 20 größten Industriezweige für Österreich, und damit eine wesentliche Säule der heimischen Wirtschaft werden.

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