04.06.2010
ÖFHF-Themenabend im Welser Messezentrum Neu
„Die Realisierung von hinterlüfteten Fassaden setzt bei BeraterInnnen, ArchitektenInnen, FachplanerInnen und Ausführenden ein hohes Detailwissen voraus. Deswegen hat sich der ÖFHF einen ständigen Wissensaustausch zum Ziel gesetzt. Mit dieser Veranstaltung haben wir den ersten Schritt gesetzt, um die vielen Vorteile von vorgehängten hinterlüfteten Fassaden aufzuzeigen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Anton Kogler eingangs der Veranstaltung. Der ÖFHF konnte als Vortragende Dr. Frederik Lehner, Interconnection Consulting, Dipl. HTL Ing. Gerhard Leibetseder, IBS-Linz, sowie DI Erich Röhrer, selbständiger Bauphysiker, gewinnen.
Marktstudie. Der erste Referent des Abends war Dr. Frederik Lehner, der mit seinem Wiener Unternehmen Interconnection Consulting pro Jahr ca. 200 Marktstudien erstellt. Die Spezialisierung von Interconnection auf den Fenster-, Fassaden- und Türenmarkt hat letztendlich auch den Ausschlag zur Vergabe des Auftrags für die Erstellung einer Marktstudie für vorgehängte hinterlüftete Fassaden für den ÖFHF ausgemacht.
Die Kernaussage der Studie lautet, dass in Österreich im Jahr 2009 im Nicht-Wohnbau ca. 663.000 Quadratmeter vorgehängte hinterlüftete Fassaden montiert wurden. Für 2010 und die Folgejahre ist die Aussage noch ungewiss, weil die derzeitigen Umstände (Stichwort Griechenland, Sinkflug des Euro etc.) Prognosen unsicher machen. Generell sind Umsätze im Nicht-Wohnbau seit 2008 rückläufig und eine Erholung ist noch nicht in Sicht. Ab 2012 könnte sich wieder ein leichtes Wachstum einstellen. Den größten Marktanteil bei den Fassadenbekleidungen bezifferte Dr. Lehner mit 13 Prozent für Faserzementplatten. Jeder weiß, dass Zahlenkonstrukte und Tabellen eine eher trockene Materie sind, aber Dr. Lehner gelang es, eine humoristische Note einzubringen und so den Vortrag aufzulockern.
Für die Mitglieder des ÖFHF ist die Marktstudie übrigens kostenlos und wird ab Ende Mai verschickt. Nichtmitglieder können die Studie zum Preis von 270 Euro beim Fachverband beziehen.
Brandschutz. Das zweite Thema des Abends war der Brandschutz bzw. die seit 3. Mai 2010 gültigen neuen Klassifizierungen und Vorschriften. Die Präsentation von Dipl. HTL Ing. Gerhard Leibetseder vom IBS Linz umfasste alle Anforderungen der neuen Bauprodukterichtlinie an Bauwerken. Im Detail betrifft das die Tragfähigkeit des Bauwerks während eines bestimmten Zeitraums, die Entstehung und Ausbreitung von Feuer und Rauch innerhalb eines Bauwerkes, die Ausbreitung von Feuer auf benachbarte Bauwerke, die Rettung der Bewohner des Gebäudes und neu dazugekommen auch die Sicherheit der Rettungsmannschaften.
Der Vortrag von DI Leibetseder gab auch Aufschluss über die neuen Klassifizierungen von Baumaterialien, hinsichtlich ihrer Brennbarkeit. Reichte hier früher eine Einteilung in vier Kategorien (A: nicht brennbar, B1: schwer brennbar, B2: normal brennbar, B3: leicht brennbar), gibt es nach der neuen Richtlinie sieben Kategorien (A1, A2, B, C, D, E und F). Die neuen Klassifizierungen haben dann auch keine verbale Beschreibung mehr hintangestellt.
Abschließend wurden verschieden Brandversuche, anschaulich mit Fotos dokumentiert, besprochen, die sehr deutlich den Einfluss von Brandsperren, speziell bei Holzfassaden, hervorkehrten.
Wärme- und Schallschutz. Der letzte Part des Abends, vorgebracht von DI Erich Röhrer vom Institut Röhrer für Bauphysik aus Korneuburg (Niederösterreich), behandelte die Themen Wärme- und Schallschutz in vorgehängten hinterlüfteten Fassaden.
Die Bauphysik ist heute das Um und Auf bei Fassaden – einerseits um Schäden am Baukörper von vornherein zu vermeiden, und andererseits um das Maximum an Wärmedämmeigenschaften und damit Heizkosteneinsparungen herauszuholen. Hier kommt natürlich dem Feuchteschutz eine sehr wichtige Rolle zu, denn die Wärmedämmeigenschaften werden durch Feuchte negativ beeinflusst. Zusätzlich ergeben sich dann möglicherweise noch Probleme mit Korrosion und dadurch zusätzlich hervorgerufenen Bauschäden.
DI Röhrer beleuchtete in seiner Präsentation die Wichtigkeit der Luftdurchströmung in der Hinterlüftungsebene und erläuterte wie man diese berechnen kann, bzw. welche Faktoren hier Einfluss nehmen. Im Wesentlichen sind das die Temperatur, die Windgeschwindigkeit und das Spaltmaß der Hinterlüftungsebene.
Beim Wärmeschutz wird unterschieden zwischen winterlichem und sommerlichem Wärmeschutz. In beiden Fällen zeigte DI Röhrer die Vorteile vorgehängter hinterlüfteter Fassaden gegenüber Vollwärmeschutzfassaden auf, die immer in einem angenehmeren Raumklima für die Bewohner münden. Besondere Bedeutung kommt dabei allerdings der Befestigungstechnik der Unterkonstruktion zu, weil dabei Wärme- oder Kältebrücken unbedingt vermieden werden müssen. Lieber weniger Befestigungspunkte, dafür aber statisch besser tragend, lautet das Motto.
Zu guter letzt zeigte der Vortragende noch die Möglichkeiten des Schallschutzes auf. Hier können sich Verbesserungen zwischen 9 dB und sogar bis zu 18 dB gegenüber massiven Wänden bzw. massiven Wänden mit Vollwärmeschutzbekleidung ergeben.
Die zum Abschluss der Veranstaltung abgehaltene Fragerunde zeugte vom regen Interesse der Teilnehmer an den Themen des Tages. Auch der Vorstand des ÖFHF zeigte sich mit 90 Teilnehmern und elf Sponsoren der Veranstaltung im Background sichtlich zufrieden über die äußerst gelungene Premiere.




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