06.08.2010
„Fachübergreifende Wissensplattform”
Meine Herren, seit 1. Juni stehen Sie an der Spitze der neuen Bundesinnung der Dachdecker, Glaser und Spengler. Klingt noch sehr ungewohnt. Was hat sich geändert mit den jüngsten Kammerwahlen?
Bundesinnungsmeister Othmar Berner: Zu allererst möchte ich mich bei meinem Vorgänger KommR Ing. Walter Buchegger bedanken für den fließenden, ruhigen Übergang der drei Innungen in eine. Walter Buchegger hat den Grundstein für diese gute Zusammenarbeit gelegt – und er wird uns dankenswerterweise weiterhin als Experte für technische Normen zur Verfügung stehen. Zu Ihrer Frage: Neu ist auf Bundesebene alles. Auf Landes-
ebene kaum etwas, da vor allem bei den Dachdeckern und Spenglern schon in den letzten Jahren eng zusammengearbeitet wurde.
BIM-Stellvertreter KommR Helmut Mager: Auch der Glaser ist ein sehr traditionelles Handwerk und passt gut dazu. Im Westen Österreichs gibt es zahlreiche Betriebe, in denen das Spengler- und Glaserhandwerk gemeinsam ausgeführt wird. Für mich persönlich war wichtig, dass wir fachlich keine Berührungspunkte haben wo sich Konkurrenz entwickeln könnte.
BIM-Stellvertreter Ernst Zimmermann: Und bei den Dachdeckern und Spenglern gibt es eine so enge Zusammenarbeit, dass es auch wieder sehr gut passt.
Berner: Somit können wir friedlich nebeneinander leben.
Sie sprachen durch die Neukonstituierung gröbere Veränderungen auf Bundesebene an.
Berner: Die gemeinsame Bundesinnungsausschuss-Sitzung, die zwei Mal jährlich statt findet, wird nun im Frühling eintägig in Wien abgehalten und im Herbst an zwei Tagen jeweils in einem anderen Bundesland statt finden. Dazu wird es einige Berufsgruppenausschuss-Sitzungen geben, in denen die Bedürfnisse der einzelnen Berufsgruppen besprochen werden. In der BIAS finden dann die Beschlussfassungen statt.
Was sind die Schwerpunkte der gemeinsamen Innungsarbeit für die nächste Zeit?
Berner: Beinahe der gesamte Bundesinnungsausschuss hat sich ja kurz nach der konstituierenden Sitzung zu einer zweitägigen Klausur in St. Wolfgang getroffen. Unter der Leitung von Dr. Thomas Reischauer wurden dabei die Arbeits-Schwerpunkte der neuen Bundes-innung besprochen.
Zimmermann: Ganz oben steht die Öffentlichkeitsarbeit und Imagehebung der Gruppe. Wir wollen mit unseren Betrieben in der Öffentlichkeit als seriöser, qualitätsorientierter Partner, als kompetenter Ausbildungsbetrieb, als perönlicher „Meister” gesehen werden. Eine Arbeitsgruppe wird sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen.
Mager: Ganz wichtig ist auch die Ausbildung. Unsere Betriebe sollen kompetente Ausbildungsbetriebe sein und unsere Lehrlinge zu guten Facharbeitern machen. Und natürlich wollen wir, dass unsere Berufe attraktiv sind und Interesse bei Jugendlichen wecken. Dafür muss einiges getan werden.
Berner: Die Fortbildung spielt auch eine sehr wichtige Rolle. Auch hier wird an Weiterbildungs- und Informationslösungen gearbeitet, etwa zu neuen Normen und Verordnungen.
Bundesgeschäftsführer Mag. Franz Stefan Huemer: Apropos Normen: Die Normenarbeit wird künftig auf eine breitere Basis gestellt – wir sind nun eine starke Gruppe und werden verstärkt Mitglieder der Bundesinnung und der Berufsgruppen in Normenausschüsse entsenden. Damit haben wir größeres Mitspracherecht.
Das klingt nach viel Arbeit! Was wird denn das einzelne Mitglied von der Umstrukturierung merken?
Berner: Im Rahmen gewerkeübergreifender Tätigkeiten sind wir näher beisammen. Die Verknüpfung der einzelnen Gewerke funktioniert nun viel besser und wir können jedem einzelnen Mitglied eine fachübergreifende Wissensplattform bieten.
Huemer: Die Mitglieder werden unmittelbar noch nicht viel merken, aber wie vorher beschrieben, haben wir einige Ziele – und die werden durchwegs positive Auswirkungen haben.
Zimmermann: Es ist ganz einfach: Der Handwerker bekommt für sein Geld ein deutlich breiteres Spektrum!
Berner: Wir vertreten inzwischen über 3.200 Betriebe mit insgesamt rund 15.000 Mitarbeitern. Die neue Bundesinnung ist ein Partner mit Handschlagqualität. Eine moderne Gruppe mit traditionellen Werten.
Eine letzte Frage: Ihre persönliche Motivation für Ihre neue Tätigkeit?
Berner: Eine weitere Anhebung des Niveaus und der Wertschätzung im Bereich des gesamten Dachdecker-, Glaser- und Spenglerhandwerks.
Zimmermann: Meine Motivation: Dass der Handwerksbetrieb den alten Stellenwert den er gehabt hat wiederbekommt.
Mager: Die Effizienz der Zusammenarbeit wird ein Ergebnis bringen, das den einzelnen Berufsgruppen bisher nicht möglich war, das motiviert!
Interview: Birgit Tegtbauer




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