06.08.2010
3. Österreichischer Bauschadensbericht
![]() … folgt eine fachgerechte Ausführung. © Wolfgang Hubner |
Die Befragung der ausführenden Arbeiter für den 3. Österreichischen Bauschadensbericht erfolgte vor Ort beim Besuch der Baustellen. Der erste Fragenkomplex bezog sich auf persönliche Daten wozu zählten das Geburtsland, das Geburtsjahr, die Muttersprache und die Staatsangehörigkeit. Die Mehrheit der befragten Arbeiter (61,1 Prozent) wurde in Österreich geboren. Von den im Ausland geborenen Arbeitern stammen die meisten aus Bosnien, sowie mit einer Ausnahme aus den Mittel- und (Süd-) Osteuropäischen Ländern und der Türkei. Die Mehrzahl der Arbeiter ist zwischen 31 und 50 Jahre alt (69,4 Prozent). Das Durchschnittsalter beträgt 39,3 Jahre. Bei Auswertung der Muttersprache wurde Bosnisch, Kroatisch und Serbisch am häufigsten ausgewählt. Die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen fast drei Viertel (72,2 Prozent) der befragten Arbeiter.
Der zweite Fragekomplex behandelte Fragen der schulischen und beruflichen Ausbildung. Die meisten der befragten Arbeiter gingen neun Jahre entsprechend der österreichischen Schulpflicht zur Schule, 20,8 Prozent der Befragten besuchte die Schule nur acht Jahre. Über 70 Prozent der befragten Arbeiter besuchte die Schule in Österreich. Etwas mehr als 70 Prozent absolvierten eine Berufsausbildung in einer Berufschule und schlossen die Lehrlingsausbildung erfolgreich ab.
Angaben zur beruflichen Tätigkeit. Im Flachdachbereich sind einerseits Firmen tätig, die Dachdecker/Spengler-Betriebe sind. Diese Firmen führen die Abdichtungsrarbeiten mit aus, manchmal auch noch ergänzend kleinere Zimmererarbeiten. Das heißt die Arbeiter sind meistens gelernte Dachdecker/Spengler, die für die Schwarzdeckerarbeiten angelernt wurden. Andererseits werden Firmen tätig, die nur die Leistungen des Bauwerksabdichters durchführen, allerdings den gesamten Dachaufbau mit Dampfsperre, Wärmedämmung und Bekiesung bzw. bis hin zum Plattenbelag. Der Mittelwert der Beschäftigungsdauer der Arbeiter bei einem Unternehmen beträgt 10,6 Jahre. Dies deutet auf eine geringe Fluktuation der Arbeiter hin. Für das Angebot und die Durchführung von Fortbildungs- und Weiterbildungsangeboten ist die Bereitschaft der Arbeiter mit ca. 70 Prozent relativ hoch.
Eine Frage bezog sich auf mögliche technische Problembereiche die in Zusammenhang mit der Ausführung von Abdichtungsarbeiten von Flachdächern, Balkonen und Terrassen in Frage kommen können. Nach Meinung der befragten Personen bestehen die meisten Problembereiche bzw. Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich der Bauzeit bzw. des auf der Baustelle herrschenden Zeitdrucks. Weiters bei der Planung, bei der Koordination mit anderen Gewerken und bei der Ausbildung.
Befragung von Planern. Zu diesen Themenbereichen wurde im Rahmen eines Seminars der Arch+Ing Akademie facheinschlägigen Personen (Architekten, Baumeistern, Planern, Ingenieure, etc.) befragt. Die erste Frage bezog sich auf die zur Verfügung stehende Zeit für die Planung einerseits, und die Ausführung der Abdichtungen von Flachdächern, Balkonen und Terrassen andererseits. Die Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass die Zeit sowohl für die Planung als auch für die Ausführung ausreichend bemessen ist.
Eine weitere Frage befasste sich mit der Verbreitung der Normen, das heißt mit der Bekanntheit und Anwendbarkeit der fachspezifischen Normen. Dazu wurden die zwei wichtigsten Normen explizit angeführt, nämlich die ÖNORMEN B 2209-2 „Abdichtungsarbeiten – Werkvertragsnorm Teil 2: Genutzte Dächer” und B 7220: „Dächer mit Abdichtungen – Verfahrensnorm”. Drei Viertel der Befragten ist der Inhalt der Normen nur teilweise bekannt. Die Anwendbarkeit wird von 42,0 Prozent der Befragten als gut bzw. sehr gut eingestuft, das heißt, die Mehrheit beurteilt die Normen als teilweise bzw. nicht anwendbar.
Die Beurteilung der Zusammenarbeit mit verschiedenen Gewerken bei Herstellung von Abdichtungen von Flachdächern, Balkonen und Terrassen war Gegenstand einer anderen Frage. Die Erfahrungen mit den verschiedenen Gewerken sind sicher von Projekt zu Projekt unterschiedlich, doch lassen sich Tendenzen erkennen und daraus Handlungsfelder ableiten. Mehrheitlich wird von den Teilnehmern an der Befragung die Zusammenarbeit mit Baumeistern, Schlossern/Stahlbauern und Zimmerer negativ beurteilt, besonders schlecht schneiden die Schlosser/Stahlbauer ab. Besser wird die Zusammenarbeit mit Bauwerksabdichtern und Spenglern beurteilt.
Von den Befragten am häufigsten wurden Mängel/Schäden an Durchdringungen, gefolgt von Mängeln/Schäden bei Türanschlüssen genannt. Weiters überdurchschnittlich oft eine mangelhafte Gefälleausbildung, eine Beschädigung der Abdichtung während der Bauphase und Mängel/Schäden an Abläufen/Gullys. Mängel/Schäden an Hochzügen treten nach Meinung der Befragten am wenigsten oft auf.
Qualität der Abdichtungsarbeiten. Die Einschätzung der Entwicklung der Qualität von Abdichtungsarbeiten von Flachdächern, Balkonen und Terrassen seit dem Jahr 2000 stand im Mittelpunkt der Frage 5: Die Einschätzung der Entwicklung fällt überwiegend positiv aus. Über siebzig Prozent der Befragten beurteilt die Qualität als steigend.
Problembereiche bei Abdichtungsarbeiten. An erster Stelle wurde von den befragten Architekten (75 Prozent) die Planung genannt. Auf den zweiten Platz folge ex aequo die Kategorien Ausbildung und Bauzeit/Zeitdruck. Danach folgt der Problembereich Untergrund/Anschlüsse gefolgt von der Kategorie Koordination mit anderen Gewerken. An sechster Stelle der Reihung folgt die Kategorie Bauleitung/-kontrolle, an letzter Stelle dieser Reihung landet die Kategorie Material, Produkte.
Übereinstimmung zwischen den Arbeitern und Planern herrscht bezogen auf die Rangfolge bei zwei Kategorien. Nach Meinung beider Personengruppen besteht bei den verwendeten Materialien/Produkte das geringste Potential für Verbesserungsmöglichkeiten bzw. bereiten diese keine Probleme. Auch der Bauleitung/-kontrolle wird ein geringes Verbesserungspotential zugemessen. Die Kategorie Bauzeit/Zeitdruck wurde von beiden befragten Personengruppen weit vorne gereiht.
Die Planung wird jedenfalls von beiden Seiten als wichtigste Möglichkeit der Verbesserung der Ausführungsqualität gesehen.
Wolfgang Hubner





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