08.09.2009
Bewegtes Dachprofil
Text: Elvira Döscher

Auf dem Alten Markt, mitten in der Altstadt von Köpenick, mit Blickkontakt zur umgebenden Wasserlandschaft, wurde Ende 2008 die neue Mittelpunktbibliothek, die zentrale Bibliothek des Stadtteils, eingeweiht. Der Neubau, ein kompakter Ziegelsteinbau mit einer Bruttogrundfläche von 1.900 Quadratmeter, ist Teil eines Ensembles, zu dem die Alte Schule sowie das kleinere ‚Hexenhäuschen‘ gehören. Der dreigeschossige Baukörper wurde von Bruno, Fioretti und Marquez Architekten geplant und ausgeführt. Das Berliner Architekturbüro hatte 2005 den vom Senat ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. Der Entwurf stelle einerseits die Konturen des Historischen Alten Marktes wieder her, heißt es in der Begründung, andererseits verhalte er sich zu Gunsten seiner solitärhaften Wirkung selbstbewusst und verlasse die historische Flucht. Der städtische Raum wird durch den massiven Baukörper neu geordnet.
Bewegung als architektonisches Leitthema. Die Architektur, die auf den ersten Blick wuchtig erscheint – ein Eindruck, der durch die bis zu 64 Zentimeter dicken Ziegelwände und eine Abmessung von 12 mal 19 mal 37 Meter unterstrichen wird – besticht beim genauen Hinsehen durch eine bewegte Leichtigkeit. Das Motiv der Bewegung scheint das architektonische Leitthema zu sein. Ein Motiv, das dem Gebäude Lebendigkeit verleiht. An der Fassade spielen die Architekten mit Fenstern unterschiedlicher Größe, die scheinbar willkürlich an allen vier Seiten angeordnet sind. Das Thema wird auch am Dach fortgeführt. Die Dachlandschaft ist in Form eines versetzten Faltwerks konstruiert und nimmt die Vielfalt der umliegenden Dachlandschaft auf. „Das bewegte Profil des Daches fügt das Volumen der Bibliothek in den kleineren Maßstab der Umgebung ein und thematisiert die Vielfältigkeit der bestehenden Dachlandschaft”, beschreiben die Architekten ihre Intention.
Der Bibliotheksbau, der von der Querseite gesehen seinen solitären Charakter behauptet, wird durch diverse Giebel mit gegenläufig geneigten Achsen akzentuiert. Die Seitenansicht mit ihrer wellenförmig schwingenden Dachsilhouette erinnert an eine Gebäudekette in enger städtischer Nachbarschaft. Die Komplexität der Dachstruktur wird vollständig erst im Innern sichtbar. Hier besticht die Bibliothek durch eine offene Raumstruktur über drei Geschosse, die die bewegte Dachkonstruktion mit sichtbaren weiß lasierten Leimholzbindern und Querrippen entdeckt. Die gegeneinander versetzten Hoch- und Tiefpunkte sind klar erkennbar und werden in genau bemessenen Abständen durch individuell angepasste Lichtkuppeln akzentuiert.

Detailansicht Attika: Anschlüsse werden mit „Kemperol” sicher in die Flächenabdichtung eingebunden.
Die Abdichtung der ‚gefalteten‘ Dachfläche erfolgte zwischen Juli und September 2008 mit „Kemperol”. Holl Flachdachbau, ein langjähriger und erfahrener „Kemperol”-Verarbeiter, führte die Arbeiten aus. Wegen des städtischen Wohnumfeldes fiel die Entscheidung zugunsten des lösemittel-freien und geruchsneutralen „Kemperol 2K-PUR”. Verarbeitungstechnisch war es eine Herausforderung der besonderen Art, da es auf dem gesamten Dach keine einzige gerade Fläche gab. Alle Einzelteile des Dachaufbaus – Dämmelemente, Trennlagen und Dampfsperre – mussten an allen Seiten fixiert werden.
Der Aufbau sieht aus wie folgt: Holzsparrendach – 2-lagige Schalunung – Trennlage – Dampfsperre V60-S4 + Alu – 2 Lagen EPS Dämmung 100 mm – Trennlage/Dichtlage aus Elastomerbitumen – „Kempertec EP”-Grundierung – „Kemperol 2K-PUR” Abdichtung – Ziegelmehleinstreuung.
Der „Kemperol”-Einsatz stellt sicher, dass sämtliche Anschlüsse und Durchdringungen – klassische Schwachpunkte auf dem Flachdach – homogen in die Flächenabdichtung eingebunden werden. Durch die flüssige Verarbeitung passt sich die Abdichtung wie maßgeschneidert allen Unter-grundgegebenheiten an und modelliert die Form der Lüftungselemente, Securanten, Lichtkuppeln sowie die Übergänge zur Attika exakt nach. „Kemperol” verbindet sich vollflächig mit dem Untergrund und haftet auf Bitumen ebenso wie auf Metallen oder einer Ziegelfassade.
Das Dach wurde analog zum Baukörper als fünfte Fassade ausgeführt. Um ein einheitliches individuelles Erscheinungsbild zu schaffen, wurde die „Kemperol”-Oberfläche mit zu Ziegelmehl vermahlenen Fassadenziegeln abgestreut. Damit entspricht der Farbton des Daches ganz genau dem Rot der Fassade.
Bautafel
Objekt ca. 1.000 m2 Flachdach
Bauherr Senat Berlin, vertreten durch das Bauamt Treptow-Köpenick/D
Architekten Bruno, Fioretti und Marquez Architekten mit Nele Dech-mann, Berlin/D
Material „Kempertec EP”-Grundierung, „Kemperol 2K-PUR” Abdichtung
Kemper System Verarbeiter Holl Flachdachbau GmbH & Co. KG
Isolierungen, Berlin/D

DACH WAND
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